Bettina Albrecht


SEELANDSCHAFTEN

„Bettina Albrecht – Malerei“
Katalog der Galerie BRENNECKE – Berlin, 2005
Text von Veit Stiller (Auszug)

[…] Aber da ist noch etwas festzustellen, und auch das ist exemplarisch und gilt für all ihre Werke. Die Szenerie scheint zu wuchern wie die Natur selbst und das Bild zu sprengen, aus ihm heraus zu drängen. Bei vielen Bildern tut sie das sogar buchstäblich: die Szenerien quellen regelrecht aus dem Rahmen, fallen aus ihm heraus. Sie greifen nicht nur über die angrenzenden Ränder hinweg Raum, sondern wachsen auch aus der Fläche heraus. Und das mit einer so gewaltigen Kraft und Intensität, auch wie die Natur selbst, die den Betrachter regelrecht mitreißen und in Bann ziehen.

[…] Spätestens hier wird es unumgänglich, die (Aus-) Wahl der Farben hervorzuheben. Es dominieren Schwarz, Blau und Weiß, mit einer in jüngster Zeit zunehmenden Eliminierung des Blaus. Es gibt im Werk jedoch einige wenige Bilder, in denen Orange und Grün beziehungsweise Rot dominieren. Unwillkürlich wird das „friedliche“ Fließen von Lava suggeriert, der beim Sonnenuntergang als Glut erscheinenden Gischt von auf den Strand auflaufenden Wellen oder eine brennende Sommerwiese. Aber das bleibt Verführung- und das liegt wohl daran, dass auch Bettina Albrecht von Lichtstimmungen regelrecht verführt wurde.

Die zunehmende Verdichtung auf Schwarz und Weiß ist ein Anzeichen für den Willen zu immer höherer Abstrahierung. Das scheint aus dem Werk heraus nur folgerichtig, denn höher verdichten (im doppelten Sinne des Wortes) ist kaum möglich. Das Gedicht ist die kompakteste, komplexeste Ausdrucksform, ob in Worten oder mit Farben. Aber, und das macht es wieder spannend, Bettina Albrecht hat nie den gleichen Blickwinkel. Hier steht sie wie ein Kind vor den Dingen, da schaut sie von Bodenniveau nach oben und da blickt sie aus der Vogelperspektive auf alles, das da unten völlig verändert scheint.